Predigt-Nachlese: Wenn Jesus betet

Wir wissen, dass Jesus viel gebetet hat, aber vom Inhalt seiner Gebete ist uns relativ wenig überliefert. Es gibt aber ein Gebet, das uns in aller Ausführlichkeit überliefert ist, und das steht in Johannes 17. Es quillt aus dem Herzen Jesu, als er ganz kurz vor dem Verrat durch Judas um seine Jünger besorgt ist, dass sie die nun kommende unvermeidliche schwere Zeit innerlich heil überstehen. Bis zum Schluss liebt er sie und will sie trösten und ihnen dienen. Bewusst führt er sein Gespräch mit dem Vater vor ihren Ohren, denn er möchte , dass sie sich seiner Fürsorge ganz sicher sind.

Und auch wir dürfen Mäuschen spielen, wie sich das anhört, wenn Jesus für uns betet und daran ablauschen, was im Herzen Gottes für uns ist, mit welch zärtlicher Liebe er sich um uns kümmert, und was seine guten Absichten für unser Leben sind. Ausdrücklich gelten diese Bitten nicht nur den Jüngern damals, sondern allen, die durch ihr Wort an Jesus glauben würden – also auch uns.

Das Gebet betrifft Menschen, die Gott, der Vater, Jesus anvertraut hat. Er hat ihnen die Worte Gottes gegeben, und sie haben geglaubt und erkannt, dass er der von Gott gesandte Erlöser ist. Sie bewahren sein Wort; sie wollen ihm gehorchen; sie verstehen die Einzigartigkeit Jesu als Sohn Gottes und seine völlige Einheit mit dem Vater; sie schenken ihm Vertrauen.

Um was also betet Jesus? Dass alles in unserem Leben glatt läuft, wir gesund bleiben, Reichtümer anhäufen, uns in dieser Welt wohlfühlen?

Sie sind in der Welt – sagt er dem Vater – in einer feindseligen Welt, die sie hasst (o, wie viele Christen auf dieser Erde spüren das tagtäglich auf grausamste Weise!), die sie als Fremdkörper empfindet, weil sie zu mir gehören! Nimm sie nicht raus aus der Welt, aber bewahre sie, dass ihr Glaube nicht untergeht in den Anfechtungen und der Böse sie besiegt! Pass auf auf diese Trophäen meiner Gnade, in denen ich verherrlicht bin, an denen man sehen kann, dass sie einen Gott haben, der die Zerbrochenen aufrichtet! Denn dazu sende ich sie jetzt in die Welt, damit sie anderen ihren Retter verkündigen!

Und wie könnte das besser geschehen, als wenn die Freude Jesu aus uns sprudelt? Und darum bittet er den Vater für uns um diese Freude.

Und wie könnte das besser geschehen, als wenn sie die Reinheit Gottes widerspiegeln? Darum bittet er den Vater, uns in seiner Wahrheit zu heiligen. Zum Wesen Jesu gehört, dass er völlig von der Sünde getrennt ist – Gott und Sünde sind inkompatibel. Und auch wenn wir manchmal an uns und unseren dunklen Seiten verzweifeln, so ist es doch wahr, dass der Heilige Geist durch das Wort Gottes und auch durch die oft schmerzhaften Umstände in unserem Leben an uns arbeitet, damit die uns zuerkannte Heiligung auch praktisch sichtbar wird. Er will uns damit zu einem Hoffnungszeichen für die Welt machen.

Und wie könnte das besser geschehen als durch Einheit? Es geht nicht um organisatorische Einheit, sondern um die Einheit in der Hingabe an den einen Herrn in der Unterordnung unter sein Wort. Wo Christen sich lieben und einander dienen, zeigt sich das Wesen und die Art Gottes. Der Vater liebt den Sohn, und er wünscht sich, dass unsere Herzen mit dieser Liebe erfüllt sind. Ja, Jesus bittet den Vater für uns um diese hohe Ehre: Dass die Welt erkennen soll, dass Gott uns geliebt hat, wie er den Sohn geliebt hat!

Und schließlich bittet er: Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast. Er will uns nahe bei sich haben; er will uns teilhaben lassen an seiner Herrlichkeit. Das ist das Ziel Gottes, das “Beste”, zu dem uns alle Umstände, ob gut oder böse, mitwirken müssen. Das hat Jesus uns durch sein Kreuz erkauft.

Nachdem wir nun Einblick haben in die Anliegen Gottes für unser Leben, um was beten wir – füreinander und für uns selbst? Stimmt es damit überein, oder ist es auf unser kurzfristiges irdisches Wohlergehen  und Haben-Wollen beschränkt?

Schreibe einen Kommentar