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Im Hebräerbrief unterwegs ( 5b): Trinkst du noch, oder kaust du schon?

In Hebräer 5 ab Vers 11 ist die Rede von einer geistlichen Entwicklungsstörung. Die Adressaten vertragen nur Babynahrung, obwohl sie der Zeit nach längst zu einer anderen Nahrungsform übergegangen sein müssten. Der Grund wird auch genannt: Sie sind faul. Sie wollen nicht kauen, nicht selber mit dem Wort Gottes umgehen, sondern nur “schluckfertig” konsumieren. Deswegen kann man ihnen etwas Anspruchsvolleres gar nicht servieren.

So ist das geistliche Leben ziemlich gefährdet. Weil man nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden kann, ist man verführbar– denn man hat ja nicht geübt, das Schwert des Wortes sowohl auf sein eigenes Herz als auch auf die Lehre anzuwenden und damit zu prüfen. Kindern fehlt es noch an Lebenserfahrung, deshalb passen die Erwachsenen auf sie auf, aber normalerweise strebt ein Kind zur Selbstständigkeit, wie es in Epheser 4,14 heißt: “Dann sind wir keine unmündigen Kinder mehr, die sich vom Wind aller möglichen Lehren umtreiben lassen und wie Wellen hin- und hergeworfen werden. Dann fallen wir nicht mehr auf das falsche Spiel von Menschen herein, die andere hinterlistig in die Irre führen.” Wer will schon in so einem Zustand bleiben?

Ich habe mich gefragt: Was ist denn nun der Unterschied zwischen Milch und Fleisch? Wenn ich den Schreiber des Hebräerbriefs recht verstehe, so würde er mit ihnen gerne mehr über die ganze Tragweite des Opfers und Hohepriesteramtes Jesu reden. Und tatsächlich ist es so, je mehr wir uns damit beschäftigen, desto fester und unerschütterlicher werden wir. Auch ein geistliches Baby weiß, dass ihm die  Sünden vergeben sind, aber wer verstehen will, was das alles bedeutet und wie weit das reicht, der muss tiefer graben. Dabei machen wir kein neues Loch auf – wir wachsen nie über das Evangelium hinaus – aber wir buddeln im selben Loch tiefer, bis wir an die Wurzeln kommen.

Warum will man unmündig bleiben? Vielleicht weil es so schön ist, immer gewiegt und gewickelt zu werden und alle Aufmerksamkeit zu bekommen? Aber was sich nicht vorwärts entwickelt, geht zurück, und zudem verpasst man die Privilegien der Erwachsenen und das volle pralle Leben mit dem Glück, etwas weitergeben zu können.