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Predigt-Nachlese: Depression – Regeneration – Mission

Der Predigttext heute war 1.Könige 19. Der Prophet Elia hatte im Kampf gegen den Götzendienst einen gewaltigen Sieg errungen. Der wahre Gott hatte sich so eindeutig bewiesen, dass das ganze Volk niederfiel und bekannte: “Der Herr ist Gott!” Der Baalsdienst hatte eine harte Niederlage einstecken müssen; seine Priester wurden getötet. Und um die Realität Gottes noch mehr zu bezeugen, setzte aufs Gebet des Elia hin der langersehnte Regen ein, und der Prophet wurde so vom Geist Gottes erfüllt, dass er vom Karmel bis nach Jesreel vor dem Wagen Ahabs herlief.

Und dann kommt der Schlag: Die Königin ist keineswegs überwunden in ihrem Hass gegen Gott und ihn. Was wie ein endgültiger Sieg aussah, ist nur ein Etappensieg gewesen. Sie kündigt ihm an, dass der Kampf weitergeht. Sie wird ihn fertigmachen.

Und da kann Elia nicht mehr. Furcht überwältigt ihn. Er will auch nicht mehr. Er will abtreten, lässt seinen Diener in Beersheba zurück und geht in die Wüste. Er sieht einen einsamen Ginsterstrauch und findet, der sei ein guter Platz zum Sterben. “Es ist genug,” sagt er zu Gott. “Lass mich gehen. Ich hab die Schnauze voll. Warum immer ich? Was ist an mir anders als an meinen Vorfahren?” Und er legt sich dort schlafen.

Depression hat (bei verschiedenen Gründen) oft ähnliche Gesichter. Auch bei Jona finden wir verschobene Perspektiven, Flucht vorm Dienst, Schlafen als Wegbeamen aus der unerträglichen Realität, Bitterkeit und Todessehnsucht. (Über Jona hatte ich mir hier neulich schon ein paar Gedanken gemacht).

Und nun beginnt Gottes Therapie. Er baut seinen Diener wieder auf.

Der braucht zuerst mal physisch Ruhe und die Aufforderung, etwas zu essen (was depressive Menschen oft vernachlässigen). Und dann muss er zu dem Platz kommen, wo Gott ihm begegnen will. Er gelangt an den Berg Horeb und übernachtet in einer Höhle. Dort stellt Gott ihm eine Frage: “Was tust du hier, Elia?”

“Ich habe für Gott geeifert,” lässt Elia seinen ganzen Frust heraus. “Und was ist dabei herausgekommen? Israel will einfach nicht. Ich bin allein, und nun wollen sie mich auch noch umbringen.” Interessanterweise klagt er nicht Isebel an, sondern verallgemeinert seine Vorwürfe auf ganz Israel. Persönliche Bitterkeit und Verletztheit spricht aus seinen Worten, anders als bei Moses, der sich mit dem Volk identifizierte und Gott für sie um Vergebung anflehte. (Wie reagieren wir in solchen Situationen?)

“Nun komm heraus auf den Berg,” sagt Gott. “Komm vor mich!” Und dann kommt ein Sturmwind, aber der Herr ist nicht in dem Wind. Danach ein Erdbeben, aber der Herr ist nicht in dem Erdbeben. Dann ein Feuer, aber der Herr ist nicht in dem Feuer. Mit ähnlichen Erscheinungen hat Gott sich am Sinai präsentiert, aber hier scheint er zu sagen: “Verwechsle das Drumherum nicht mit mir selber.” Und als nach all dem der Ton eines leisen Wehens sein Ohr erreicht, weiß Elia sofort: Das ist Gott. Bei Gott ist Ruhe und kein Tumult.

Gott wiederholt seine Frage: “Was machst du hier eigentlich?” und Elia wiederholt seine Antwort. Er sieht sich immer noch als der müde, einsame Wachposten, der nach Ablösung verlangt. Gott rückt seine Realitätswahrnehmung  zurecht und gibt ihm neue Aufträge: 3 Menschen benennt er ihm, die er salben soll, die an Gottes Zielen weiterarbeiten werden. Er ist keineswegs so allein, wie er glaubt. Außerdem gibt es noch 7000 Menschen in Israel, die Gott die Treue gehalten haben. Er lenkt den Fokus weg von Elias “Ich” auf das Werk Gottes und die Gemeinschaft, in die auch der große Prophet eingebunden ist.

In der Gegenwart Gottes, in der Stille vor ihm, findet alles wieder die richtige Bewertung, kommt neue Kraft – und weiter geht´s!

Sind wir nicht alle ein bisschen Jona?

Kennst du Jona? Wenn nicht, dann lies seine Geschichte hier.

Jona hatte einen Haufen Probleme mit sich selbst, Gott und dem Leben, weil er ganz ungesunde Verhaltensmuster hatte, wenn ihm irgendetwas nicht passte. Und er hatte starke Stimmungsschwankungen – wenn man die Geschichte durchliest, muss man fast zu dem Schluss kommen, dass seine Gemütslage am stabilsten war, als er sich im Bauch des Fisches befand!

Er kriegt einen Auftrag von Gott, der ihm nicht gefällt, und das einzige, was ihm in den Sinn kommt, ist: weglaufen. Weglaufen ist ein Muster in seinem Leben. Mal läuft er physisch weg, mal will er sterben, was auch eine Art ist, sich aus der Affäre zu ziehen. Auf jeden Fall will er nicht annehmen, was ihm zugeteilt ist, ob das nun unangenehme Aufträge sind oder ein eingegangener Rizinus. Ich vermute, sein tiefer Schlaf auf dem Schiff ist auch eine Art, sich aus der Realität wegzubeamen.

Leider ist sowohl Flucht vor Gott als auch Flucht vor den Realitäten des Lebens so was von aussichtslos! Wo wir auch hingehen, ist Gott immer schon da, und das Leben lässt sich auch nicht ausschalten. Und so wird  Jona ziemlich unsanft geweckt und stellt fest: Während ich schlief, ist alles nur schlimmer geworden. Mein Problem hat sich ausgebreitet, und ich habe andere mit reingezogen.

Jetzt hätte er ja auf seine Knie fallen können und Buße tun – vielleicht hätte Gott ihm  vergeben und der Sturm hätte aufgehört. Aber er zieht es vor, sich richten und ins Meer werfen zu lassen. Dann ist hoffentlich alles endgültig vorbei.

Haste gedacht! Du kannst nicht sterben, wenn Gott mit dir reden will! Im Bauch eines großen Fisches muss er ihm dann doch begegnen. Und da merkt er, dass er doch noch leben will, und dass er auch eigentlich auf seinen Gott nicht verzichten will! So eingeengt, wird sein Herz zum Gehorsam bereit.

Und doch ist in ihm immer noch das alte Wesen. Als er sieht, wie Gott auf die Umkehr der Niniviten reagiert, ist er sauer auf ihn, und schon will er wieder sterben. Sein Zorn kommt daher, dass es ihm immer um sich geht. Ginge es ihm um Gott und die Menschen von Ninive, dann müsste er jubeln! Deswegen fragt Gott ihn: ”Ist das recht, dass du zornig bist?” Jona antwortet ihm nicht; stattdessen geht er aus der Stadt hinaus. Er hat keine Lust, involviert zu sein in Gottes Werk – er nimmt einen Beobachterposten ein. Lasst mich doch alle in Ruhe!

Heiß ist es da allerdings, und die Sonne brennt ihm aufs Hirn. Gott in seiner Freundlichkeit lässt ihm einen Schattenspender wachsen, und schon ist Jona bester Laune, manisch fast. Wenn es ihm gut geht und alles zu seiner Zufriedenheit ist, kann er auch mit Gott ganz einverstanden sein. Gott hingegen findet, Jona hätte noch was zu lernen, und lässt den Rizinus eingehen. Und schon will Jona wieder sterben. Warum nur muss alles Ungemach im Leben immer ihn treffen?

“Meinst du wirklich?” fragt Gott. “Ist dein Zorn berechtigt? Wiegt dein kleiner Sonnenstich wirklich mehr als 120000 Menschenseelen? Ist bei dir nicht alles ein bisschen aus der Proportion geraten?”

Hier hört der biblische Bericht auf, fast ein bisschen abrupt. Die wichtigen Fragen sind alle gestellt, und das Nachdenken bleibt uns überlassen.

Denn sind wir nicht alle ein bisschen Jona?

Querbeet

Nützliches und Interessantes, über das ich diese Woche im Web gestolpert bin:

Fast jeder wird, ob er will oder nicht, irgendwann damit konfrontiert, dass jemand in seinem Bekannten- oder Familienkreis nicht mehr leben will. Auch unter Christen kommt Suizid vor. Was sind die Gründe, und wie kann man helfen, wenn man weiß, dass jemand sich mit Selbstmordgedanken trägt? Und wie ist Suizid geistlich zu bewerten? Dieser Artikel von Wilfried Plock versucht eine Antwort zu geben.

Über ein verwandtes Thema, psychische Erkrankungen innerhalb der christlichen Gemeinde, spricht Magdalene Ziegeler hier aus eigener Erfahrung.

Eher amüsant sind die Mathe-Songs dieses jungen Mannes, der übrigens auch Christ ist. Für mehr dieser Schlaumacher und auch einem christlichen Lied mal in seinem Kanal stöbern! Wäre vielleicht gut gewesen, ich hätte das mal in meiner Schulzeit gefunden, aber da war er ja leider noch nicht auf der WeltZwinkerndes Smiley – und Internet gab´s auch noch nicht.

Mathesong