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Die Lehren meines Vaters (5)

Es gab bei uns zu Hause nie einen Zweifel darüber, wer das Sagen hatte und warum. Die oberste Autorität war Papa, dann kam Mama, und falls die beiden mal verschiedener Meinung waren, haben wir es eher nicht mitgekriegt. Und es gab ebenso keinen Zweifel darüber, warum das so war: Weil Gott diese Ordnung etabliert hatte und in der Bibel stand: “Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern!”

Es war nicht, weil Papa klüger war und stärker oder das Geld verdiente (obwohl all das zutraf), oder weil er sich selbst so wichtig genommen hätte. Nein, sondern ihm war die Leitung aufgetragen, und ich glaube, das hat ihm nicht immer Spaß gemacht. Aber er wusste, dass Gott ihn für seinen “Haushalt” zur Verantwortung ziehen würde.

Schrittweise wurde uns die Verantwortung für unser Leben selber übergeben, was zu der Zeit generell etwas gemächlicher vonstatten ging als heute, denn man wurde erst mit 21 Jahren volljährig. In unser Leben als Erwachsene haben sich unsere Eltern nur auf Wunsch eingemischt, und ich denke, das ist der beste Beweis dafür, dass es ihnen nicht um irgendeine Machtstellung ging, sondern um die Verantwortung vor Gott.

Natürlich haben sie Fehler gemacht – natürlich war ich als Kind und Heranwachsende oft nicht einverstanden. Aber ich wusste auch immer, dass sie es vor Gott richtig machen wollten.

Lehre Nummer 5: Autorität ist delegiert. Sie ist nicht in uns selbst begründet, und sie bedeutet vor allem Verantwortung.

Die Lehren meines Vaters (4)

Mein Vater zitierte gern die “Sprüche”, das Weisheitsbuch der Bibel. Meine Schwester, die im Gegensatz zu mir ein extrovertierter Sonnenschein war (und ist), bekam bestimmte Verse immer wieder zu hören, z.B. “Mache deinen Fuß selten im Haus deines Nächsten, auf dass er deiner nicht überdrüssig werde und dich hasse” (25,12) oder “Ein Mann vieler Freunde wird zu Grunde gehen” (18,24). Und obwohl ich nie mitbekommen habe, dass sie jemandem zu viel geworden wäre, war es sicher gut, uns präventiv bewusst zu machen, dass Vorsicht und Rücksicht in Beziehungen immer empfehlenswert sind und die Sozialverträglichkeit erhöhen.

Bescheidenheit und Zurückhaltung wurden uns auch sonst als wichtig vorgestellt. “Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden.” (Lukas 14,11) “Niemand leide als einer, der sich in fremde Sachen mischt.” (1.Petrus 4,15) Das waren Dinge, die uns immer wieder gesagt und auch vorgelebt wurden.

Lehre Nummer 4: Die Bibel ist voller Weisheit für den Alltag. Wenn du ihre Ermahnungen beherzigst, bist du auch ein angenehmerer Mitmensch.

Die Lehren meines Vaters (3)

Von vielen Leuten meiner Generation habe ich gehört, dass ihre Eltern die Nazizeit einfach schweigend übergangen haben. Bei uns zu Hause war das nicht so.

Papa erzählte freimütig, wie auch er als Kind und Jugendlicher verführt wurde durch die Kameradschaft in der Hitlerjugend, wie er alles geglaubt hat, was sie ihm erzählten über die Schlechtigkeit der Juden oder den Endsieg. Die scheußlichen Hass-Lieder, die er am Lagerfeuer mitsang. Wie sie einen feindlichen jungen Flieger abschossen und gefangen nahmen, und er feststellte, dass das tatsächlich ein Mensch wie er war. Wie alle Illusionen zusammenbrachen, als die Lügen offenbar wurden. Über die schrecklichen Folgen der Verirrung: Tod, Hunger, Gefangenschaft, zerrissene Familien. Dann wendete er sich dem Evangelium zu und erkannte u.a., dass die Juden Gottes geliebtes Volk sind.

Lehre Nummer 3: Sei ehrlich zu deinen Kindern über vergangene Fehler. Sie respektieren dich um so mehr, und sie lernen was draus.

Die Lehren meines Vaters (2)

Mein Vater begann seine Ansprachen in der Gemeindeversammlung gewöhnlich mit der Anrede: “Im Herrn geliebte Geschwister!” Als Teenager fand ich das doch etwas arg geschwollen (und er pflegte sonst eigentlich eine ganz normale Sprechweise), und so konnte ich mir irgendwann die Frage nicht verkneifen: ” Warum sagst du nicht einfach liebe Geschwister wie alle normalen Menschen?”

Seine Antwort ist mir für immer unvergesslich geblieben: “ Sie sind nicht immer lieb, aber sie sind immer geliebt.”

Lehre Nummer 2: Die Geschwister im Glauben sind nicht immer ein Ausbund an Liebenswürdigkeit, aber der Herr liebt sie, und wir lieben sie um seinetwillen.

Die Lehren meines Vaters

Ich habe einen gottesfürchtigen Vater, der jetzt 85 Jahre alt ist.  Er ist nicht ohne Fehler, und wir sind auch nicht in allem einer Meinung, aber er ist mir immer ein großes Vorbild gewesen. Und es gibt einige Dinge, die ich von ihm gelernt habe, die ich bewahren möchte, wie es das Buch der Sprüche in der Bibel immer wieder empfiehlt. Deswegen werde ich in loser Folge mal die eine oder andere Erinnerung posten in der Hoffnung, dass auch andere davon profitieren können.

Charakteristisch war sein Pfeifen der Melodie zum Wecken morgens um 6. Er legte großen Wert darauf, dass wir alle pünktlich am Frühstückstisch zusammensaßen, aber er weckte uns immer freundlich und gut gelaunt. Und bis dahin hatte er schon (in der kalten Jahreszeit) das Haus geheizt, den Kaffee gekocht, den Tisch gedeckt und unsre Schulbrote geschmiert. Und natürlich in seiner Bibel gelesen. Erst als wir in der Schule darüber sprachen, was der Vater und was die Mutter macht, merkte ich, dass das nicht so ganz normal war. Damals waren allgemein in der Gesellschaft die Rollen von Männern und Frauen noch klar definiert. Auch bei uns gab es nie einen Zweifel darüber, wer Oberhaupt und Vorstand der Familie war – aber für meinen Vater hieß das, meiner immer etwas kränklichen Mutter und uns allen zu dienen. Daher:

Lehre Nummer 1: Vorstehen heißt Dienen.