Beim letzten Abendessen mit seinen Jüngern heißt es von Jesus: Da er die Seinen, die in der Welt waren, geliebt hatte, liebte er sie bis ans Ende (Johannes 12,2). Und dass die Seinen füreinander auch engste Angehörige sein und Familienliebe haben sollten, das machte er ihnen auch immer wieder klar. Er sandte sie aus in eine wesensfremde Welt – wie Schafe unter Wölfe – aber nicht allein.
Das zeigt sich auch gleich in der jungen Gemeinde in Jerusalem. Sie hängen förmlich aufeinander. Sie essen zusammen, sie beten zusammen, sie lernen zusammen. Sie fühlen sich füreinander verantwortlich und teilen alles.
Als Petrus und Johannes nach ihrer ersten Verhaftung entlassen werden, gehen sie – selbstverständlich – zu den Ihren, um ihnen alles zu erzählen.
Als ein anderes Mal der verdutzte Petrus mitten in der Nacht von einem Engel aus dem Gefängnis geführt und hinter dem Stadttor ohne weitere Anweisungen stehen gelassen wird, ist es klar, dass er zu den Seinen geht, die sich um ihn Sorgen machen und für ihn beten. Dort kann er auch nachts klopfen, und sie werden wissen wollen, wie es ihm geht, ehe er die Stadt verlässt. (Das ist übrigens eine sehr lustige Geschichte.)
Und auch der gefangene Paulus erfährt das. Zwei Jahre sitzt er in Gewahrsam, aber den “Seinen” wird erlaubt, für ihn zu sorgen. Und wie wichtig ist das für ihn, denn die, die in seinem alten Leben die Seinigen waren, wünschen ihm nur den Tod. Dann beruft er sich auf den Kaiser und muss nach Rom. Und auch da ist er nicht allein. Es gibt Brüder, unter anderem wohl Lukas, den Schreiber der Apostelgeschichte, die den Gefangenen freiwillig begleiten – langer Weg und Gefahren hin oder her! Tatsächlich erleiden sie mit ihm Schiffbruch.Und als sie endlich, endlich nach Puteoli kommen, finden sie auch dort Brüder, die sich nicht nur um sie kümmern, sondern auch den Brüdern in Rom Bescheid geben: Paulus kommt!
Was für ein Zeugnis muss das für den römischen Hauptmann gewesen sein! Hatte er bis dahin vielleicht noch gedacht, es ginge um jüdische Verbundenheit, so erlebt er jetzt, wie römische Brüder dem Paulus auf der Via Appia 50 km entgegenlaufen, um ihn zu begrüßen und zu ermutigen. Sie haben ihn noch nie gesehen (aber einen Brief von ihm erhalten) und er ist ein Gefangener, aber das stört sie alles nicht. Er gehört zu ihnen, zu dem neuen einen Volk des Herrn. Er ist ihr Bruder.
Als Paulus sie sah, dankte er Gott und fasste Mut. (Apostelgeschichte 28,15)
Er war nicht allein.
