Stille Zeit-Tipps (6): Gewohnheit

Sollte man etwas aus Gewohnheit tun? Ist das nicht spießig, und nur, was spontan geschieht, ist authentisch und kommt aus dem Herzen?

Die meisten Lebensnotwendigkeiten vollziehen wir als Gewohnheiten. Wir nehmen regelmäßig Essen und Trinken zu uns (wenn nicht, leben wir eher ungesund). Wir sind es gewohnt, nachts zu schlafen. Eltern gewöhnen ihre Kinder an eine vernünftige Hygiene. Da sagt kein Mensch was dagegen. Aber wenn es um unser geistliches Leben geht, haben wir Bedenken, dass wir etwas “nur aus Gewohnheit” tun.

Hinter oben angeführten Gewohnheiten stehen echte Bedürfnisse, und so sollte es auch mit unserer stillen Zeit sein. Für den geistlich Magersüchtigen, der eigentlich gar nicht essen will, werden die festen Mahlzeiten zur Qual. Für alle anderen sind sie einfach eine Hilfe, weil man das Leben nicht jeden Tag neu erfinden muss und Lebenswichtiges nicht im Stress untergeht.

Eine gute Gewohnheit ist es für mich, stille Zeit zu machen, ehe ich in die Arbeit starte – Ausnahmen bestätigen die Regel. Manche machen ihre stille Zeit vor dem Frühstück, damit ihnen wirklich nichts dazwischen kommt – ich bin erst nach 2 Tassen Kaffee richtig aufgewacht. Generell ist es aber eine gute Idee, das Instrument vor dem Konzert zu stimmen, oder?

Ich habe auch gerne meinen festen Platz, meine gewohnte Bibel, meine Stifte……so ähnlich, wie die Verdauungssäfte schon anfangen zu fließen, wenn man sich bei Muttern an den gedeckten Tisch setzt, so geht auch mein Herz in den “Ich komme, um zu hören”-Modus, wenn das “Setting” stimmt. Und die Gewohnheit beschützt diesen Raum und diese Zeit vor allem, was ihn sonst automatisch ausfüllen würde.

Und das heißt natürlich nicht, dass ich das abhake wie eine Pflichtveranstaltung – das wäre dann wirklich ein negatives Konzept von Gewohnheit! Die Gemeinschaft mit dem Herrn fängt auch nicht erst bei der stillen Zeit an, die ist eine 24 Stunden-Sache, weil er in mir lebt. Und wenn für dich eine andere Zeit besser passt, dann nimm eine andere. Es gibt so viele verschiedene Lebensrhythmen, und wenn es dir ernst ist, wird Gott dir schon zeigen, wo du in deinem Leben diese Gewohnheit am besten ansiedelst.

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