Predigt-Nachlese: Was sucht ihr den Lebendigen bei den Toten?

Predigttext: Lukas 24,1-35

Zufällig bin ich heute morgen bei meiner fortlaufenden Bibellese genau bei dem Predigttext von Ostern gelandet. Das war eine gute Gelegenheit, alles noch mal durchzuarbeiten und den Heiligen Geist Akzente setzen zu lassen. Deswegen wird sich aber auch diese Predigt-Nachlese mit persönlichen Gedanken mischen.

Es sind zwei Gedankenstränge, die sich wie eine rote Linie durch diesen Text ziehen: Der eine ist, dass die Bibel aus einem Guss ist, und es vom Anfang bis zum Ende um Christus geht. Der zweite ist, dass wir ein erleuchtetes Verständnis und eine Gesamtsicht brauchen, um zu verstehen.

Die Frauen kommen am ersten Wochentag nach dem Passahfest zum Grab und finden es leer. Dieser Tag war ein besonderer Tag im jüdischen Festkalender: Die ersten Feldfrüchte wurden dem Herrn geweiht, und zwar wurde eine Garbe zum Priester gebracht, und er sollte sie vor Gott hin- und herschwingen. Dazu wurde ein Lamm geopfert und verschiedene andere Dinge. Erst danach durfte überhaupt von der diesjährigen Ernte gegessen werden. Die Vorgehensweise ist in 3.Mose 23 beschrieben. Paulus nimmt in 1.Korinther 15,20-23 darauf Bezug: Nun ist Christus aber von den Toten auferweckt worden und zwar als „Erstling“ der Entschlafenen.Weil durch einen Menschen der Tod kam, kommt auch die Auferstehung vom Tod durch einen Menschen.Denn wie durch die Verbindung mit Adam alle sterben, so werden durch die Verbindung mit Christus alle lebendig gemacht werden und zwar jeder in der ihm bestimmten Reihenfolge: als Erstling Christus, bei seiner Wiederkunft dann die, die zu ihm gehören.

Die Frauen stellen also fest, dass das Grab leer ist, und eigentlich wäre es naheliegend, dass sie sich jetzt sagen: “Ach so, er ist doch tatsächlich auferstanden. Klar, davon hat er ja auch geredet!” Aber nein, sie sind nur völlig durcheinander! Sie brauchen die übernatürliche Belehrung und Erinnerung durch die Engel – dann fällt der Groschen! Aber auch nur bei ihnen! Als sie es den Aposteln berichten, reagieren die etwa so: “Hysterische Weiber und ihr Wunschdenken!” Immerhin schaut Petrus nach und wundert sich, dass außer den Tüchern nichts mehr in der Gruft liegt.

Dann finden wir die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Sie gehören nicht zu dem engeren Kreis der Apostel, und das hat mein Herz besonders berührt. Es sind Leute aus der zweiten Reihe – solche, wie du und ich. Wenn irgendetwas sie auszeichnet, dann ihre Traurigkeit und Verwirrung. Sie haben sogar schon von dem leeren Grab gehört, aber das hat sie nur noch mehr aus der Fassung gebracht. (Was mir persönlich an ihnen gefällt: Sie reden darüber miteinander, sie überlegen zusammen, wie das alles Sinn machen könnte. Und Jesus kommt dazu! Vielleicht wenn wir manchmal nicht solche Einzelkämpfer wären und uns unsere Sorgen und Nöte mitteilen würden und dann miteinander beim Wort Gottes Antworten suchten……wäre uns dann nicht auch schneller geholfen?)

Nun hätte Jesus ja sagen können: Ey Leute, macht die Augen auf, hier bin ich! Aber das tut er nicht. Sie brauchen etwas viel Tiefergehendes, sie müssen den Gesamtplan und den Sinn dessen verstehen, was geschehen ist. Deshalb werden ihnen sozusagen die Augen zugehalten. Sie erkennen ihn nicht. Jesus lässt sie erst einmal erzählen, was sie so umtreibt (etwas was mir auch oft hilft, wenn ich von Gott Erklärungen brauche zu einer Sache: Ihm erst mal die Not genau beschreiben). Und da zeigt sich schon, was ihr eigentliches Problem ist: Sie haben eine stark verkürzte Sicht auf den Messias: Für sie war er “ein Prophet und hat in seinen Worten und Werken vor Gott und dem ganzen Volk seine Macht erwiesen”, sie hatten “gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen würde” und er war tot! Einige Frauen haben zwar behauptet, er lebe, aber naja….Was soll man nun davon halten?

Und nun sind sie die ersten nach der Auferstehung, die eine private Bibel-Entschlüsselungs-Stunde bekommen. Sie erleben, dass das Wort Gottes wirklich ein Licht auf unserem Weg ist. Jesus zeigt ihnen sich selbst in der Schrift, und das ist so toll und aufschlussreich und herzerwärmend, dass sie ihn am liebsten nicht mehr gehen lassen wollen. Alles fällt an seinen Platz. Jesus musste leiden, um in seine Herrlichkeit einzugehen – alle Opfer im Alten Testament weisen genauso auf ihn wie die Stellen über den kommenden König aus der Linie Davids. Schon Adam und Eva wurde ein Hinweis gegeben auf den Erlösungstod des Retters, Jesaja hat das Lamm Gottes angekündigt, Psalm 22 beschreibt den Herrn in seinem Leiden am Kreuz. Ob er ihnen vielleicht auch die Sache mit den „Erstlingen“ (s.o.) erklärt hat?

In diesem ganzen Unterweisungsprozess erkennen die beiden Jünger nicht, wer da mit ihnen spricht. Das merken sie erst, als sie sich zum Essen hinsetzen und er – nicht wie ein Gast, sondern wie der Hausherr- das Brot nimmt und den Segensspruch spricht. Danach ist der Herr weg, aber sie haben jetzt auch alles, was sie brauchen, und sehen werden sie ihn noch öfter vor seiner Himmelfahrt.

Sie haben auch vor diesem Gespräch an die Schrift geglaubt, für sie war das Gottes inspiriertes Wort. Auch war Auferstehung keine unbekannte Sache für sie – sie kannten vermutlich Lazarus. Was ihnen fehlte, war die Zusammenschau und ein geöffnetes Verständnis. Das Wort Gottes, durch den Heiligen Geist lebendig gemacht, kann uns beides geben. Dann suchen wir den Lebendigen nicht mehr bei den Toten, sondern wissen, dass sein Werk vollbracht ist, und dass auch alle noch ausstehenden Verheißungen Gottes sich erfüllen werden!

Schreibe einen Kommentar