Demut – das ist wieder so ein Wort, mit dem häufig falsche Vorstellungen verbunden werden. Irgendwie riecht das nach Mittelalter, Mönchtum, sich selbst heruntermachen, Kriecherei…..
Dabei ist es eigentlich nichts anderes als gesunde Selbsteinschätzung: Alles, was ich habe ist Gabe. Es gibt keinen Grund zum Selbstruhm und sich Aufspielen. Eigentlich ist Demut das wahre Erwachsenwerden, das Ablegen kindlicher Allmachtsfantasien und die Akzeptanz der Realität.
Im heutigen Predigttext in Lukas 17,1-10 finden wir 4 Aspekte, wie Demut sich zeigt:
1. Wer demütig ist, hütet sich, anderen ein Anlass zur Sünde zu werden. Er weiß, dass Gott ihn zur Rechenschaft ziehen wird, wenn er damit spielt. Er überlässt auch den andern nicht einfach der Sünde, sondern kämpft um ihn, weil er selbst die heilsame Zurechtweisung durch Gott erfahren hat. Wir alle brauchen Ermahnung und Hilfe.
2. Wer demütig ist, ist vergebungsbereit, weil er selbst existentiell auf Vergebung angewiesen ist. Er bildet sich nicht ein, auf einer höheren Stufe zu stehen.
3. Wer demütig ist, hat eine realistische Wahrnehmung des eigenen Glaubens. Er ist nicht ausreichend in sich selbst, aber wenn es auch nur ein (von Gott gesätes) Senfkorn ist, so ist es doch der Glaube an einen großen Gott.
4.Wer demütig ist, bildet sich nicht ein, dass Gott ihm was schuldet. Was sollte auch der Schöpfer dem Geschöpf schulden? Wir sind ihm gegenüber immer im Minus, und selbst wenn wir alles perfekt gemacht hätten, wäre das nur genau das, was wir ihm schulden. (Dass Gott nicht nur unser Minus vergibt, sondern uns auch noch belohnt, ist eine wunderbare Tatsache, die aber hier nicht im Fokus ist).
