Ein Vers, der mich immer etwas verwirrt hat, steht in Epheser 3,18.19. Da betet Paulus für die Gemeinde,
damit ihr imstande seid, mit allen Heiligen völlig zu erfassen, was die Breite und Länge und Höhe und Tiefe ist, und zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, damit ihr erfüllt werdet zur ganzen Fülle Gottes.
Vor meinem inneren Auge entstand immer das Bild einer geometrischen Form mit Breite, Länge, Höhe und … Tiefe? Eine Dimension zu viel. Ist das jetzt nur eine Art poetischer “Hyperlativ” oder eine philosophische Aussage über eine für uns nicht fassbare Realität? Schließlich spricht Paulus ja auch davon, dass wir etwas erkennen sollten, das die Erkenntnis übersteigt. Das unfassbare “Ding”, um das es hier geht, ist die Liebe des Christus.
Dann kam ich aber auf die Idee, die guten Tipps anzuwenden, die ich anderen Leuten immer gebe, und auf den Kontext zu schauen.

Und siehe da, direkt im Vers davor werden mir zwei Bilder angeboten, mit denen Tiefe und Höhe einen Sinn ergeben, nämlich die Wurzeln eines Baumes und das Fundament eines Hauses. Wenn die Liebe sowohl die Tiefe ist, in der wir wurzeln bzw. unser Fundament einlassen, als auch die Höhe und Breite und Länge, in die wir bauen und wachsen, hin zu Christus als dem Haupt, dann hat das zwar mit Geometrie nichts mehr zu tun, aber passt super zu den anderen Bildern im Epheserbrief.
Und das Schöne daran ist: Dieses Erkennen der Liebe Christi wird damit etwas ganz Praktisches. Es geht nicht um philosophische Erkenntnis, sondern um ein Erfassen im Glauben, um Anbetung, um Erfahrung und Lernen und Handeln. Die Liebe Christi ist die Tiefe, aus der wir trinken, die Luft die uns umgibt, die Sonne, die uns scheint, und die Substanz unserer Beziehungen im Leib Christi.
