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Stille Zeit-Tipps (9): Mein Sonntagskorb

Christen versammeln sich, wenn es ihnen irgendwie möglich ist, am ersten Tag der Woche, um ihren auferstandenen Erlöser gemeinsam anzubeten. Die Formen dabei sind sehr unterschiedlich, aber das stört den Herrn eher weniger. Auf das Herz kommt es an.

Wenn es auch ganz sicher wahr ist, dass im Gottesdienst Gott uns mehr dient als wir ihm, so hat Gott doch auch eine gewisse Erwartung an uns, z.B.

  • erwartet er Lobopfer als die “Frucht der Lippen”, die seinen Namen bekennen, (Hebräer 13,15)
  • und er sucht Anbeter, die ihn in Geist und Wahrheit anbeten (Johannes 4,23).

Das Lobopfer ist der Dank, den wir Gott bringen. Aber wie das Volk Israel im gelobten Land Gott nie irgendetwas zu opfern hatte, was Gott ihm nicht zuvor gegeben hatte, so ist es auch bei uns. Gott gibt uns etwas von sich, und wir geben ihm ein kleines bisschen davon zurück.

Wie komme ich nun auf “Sonntagskorb”? In 5. Mose 26 ordnet Gott an, dass die Israeliten von den ersten Früchten ihrer neuen Heimat etwas in einen Korb legen und damit zur Gottesdienststätte gehen sollten. Dort sollten sie sich dann vor Gott erinnern: Wo sie eigentlich herkamen, wie Gott sie befreit hatte, und was für ein gutes Land er ihnen jetzt gegeben hatte. Sie sollten ihn anbeten und sich vor ihm freuen.

Anbetung ist nichts, was wir im Gottesdienst “machen”. Wir sollten nicht erwarten, dass uns ein “Worshipteam” von 0 auf 100 hochfahren kann. Wir sollten mit einem vollen Korb kommen. Da sind die ganzen guten Sachen drin, die ich über die Woche geerntet habe, wenn ich mich in meiner stillen Zeit wirklich von Jesus ernährt habe und satt geworden bin. Wenn jeder so kommt und in seinem Herzen was mitbringt, was für eine Freudenexplosion kann dann der Sonntagsgottesdienst werden! So wird der Sonntag nicht der eine Tag, an dem Gott und sein Wort eine kleine Ecke in unserem Leben kriegen, sondern der Höhepunkt eines alltäglichen Lebens mit Jesus, wo alle gemeinsam ihre vollen Körbe bei Gott abgeben und feiern!

Stille Zeit-Tipps (8): Betrachten

Ich lese zur Zeit den Hebräerbrief, und da fällt mir auf, dass wir zweimal zum “Betrachten” aufgefordert werden.

  • (3,1) Daher, ihr heiligen Brüder, die ihr Anteil habt an der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Christus Jesus….
  • (12,3) Denn betrachtet den, der so großen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet und in euren Seelen ermattet!

Es hat mich dann mal interessiert, was das Wort alles beinhaltet. Im Urtext handelt es sich um zwei verschiedene Ausdrücke mit ähnlicher Bedeutung: ausführlich beobachten, wahrnehmen, entdecken, darauf achten.

Das umschreibt ziemlich genau, was wir in unserer Stillen Zeit tun wollen. Wir wollen Jesus entdecken und beobachten. Das schärft unsere geistliche Wahrnehmung im Alltag – wir lernen, den Unsichtbaren mit in Rechnung zu stellen bei allem, was wir tun. Und wir kriegen Kraft! Jesus zu betrachten, hilft gegen seelische Ermüdung, s.o.

Wie macht man das denn? Im Neuen Testament ist das relativ leicht, weil Jesus das Hauptthema ist. Im AT ist es etwas, was man ein bisschen üben muss, indem man immer wieder fragt: Was wird hier über Gott und seinen Charakter ausgesagt? Gibt es prophetische Hinweise auf Christus? Gibt es irgendwelche “Schatten”, die ihn als die eigentliche Figur abbilden? Der Hebräerbrief ist übrigens ein guter Schlüssel, um solche Verknüpfungen des Alten Testamentes mit Christus zu erkennen!

Betrachten ist etwas, wozu man Zeit braucht. Das geht nicht im Schnellverfahren. Da muss man vielleicht mal von allen Seiten um einen Text herumgehen, den Zusammenhang herausfinden, Spuren verfolgen. Das ist “Forschungsarbeit”. Aber es lohnt sich! Und die Bibel ist im guten Sinne ein “Fass ohne Boden” – ich kann dir versprechen, dass es dir nie langweilig wird!

Hier ein paar Fragen, die für den Start helfen können:

  • Was steht hier über Gottes Charakter?
  • Was steht hier über seine Stellung?
  • Was lobt oder tadelt er? Zeigt er mir etwas, was ich ihm bekennen sollte?
  • Wie verhält er sich?
  • Handelt er offensichtlich oder eher im Hintergrund (z.B. im Buch Esther)?
  • Wird etwas gesagt über seine Beziehung zur Menschheit generell? zu Israel? zur Gemeinde? zu mir persönlich?
  • Gibt er ein Versprechen?
  • Macht er eine Aussage über seine Pläne und sein zukünftiges Handeln?
  • Hat er etwas getan, und was bedeutet das für mich?
  • Will er etwas von mir, und wie werde ich reagieren?
  • Für was kann ich ihn loben?
  • Gibt es hier etwas, was mir fehlt, um das ich ihn bitten sollte?

Und dann: Jesus betrachten heißt auch, ihn anzubeten. Das kommt ganz automatisch, weil dein Herz übersprudeln wird. Du kannst gar nicht anders, du wirst es sehen!

Stille Zeit-Tipps (7): Welche Bibel?

Wir haben im Deutschen eine Auswahl an Bibelübersetzungen und –übertragungen, nach denen sich die Mehrheit der Menschen die Finger lecken würde. Aber das heißt auch, man muss sich irgendwie entscheiden, welche man nun nehmen will. Es gibt eine ganz gute Serie auf dem Blog von Philipp Keller über die grundsätzlichen Ausrichtungen der verschiedenen Übersetzungen und die Vor- und Nachteile. Meiner Erfahrung nach landet die Mehrzahl der Leute, die die Bibel ernsthaft studieren wollen, irgendwann bei der Elberfelder oder Schlachter Bibel.

Ich persönlich liebe die Elberfelder Bibel, besitze aber auch einige andere zum Vergleichen. Ich bin mit dieser Übersetzung geistlich aufgewachsen; ihr Wortlaut ist mir vertraut, und deshalb empfinde ich sie auch nicht als kompliziert. Trotzdem verwende ich hier auf dem Blog oft die Schlachter Bibel (wenn es mehr auf den Wortlaut ankommt) oder die Neue Evangelistische Übertragung (wenn es mehr auf Verständlichkeit ankommt).

Ich empfinde außerdem, dass mir eine strukturtreue Übersetzung hilft, genau zu lesen. Am Sonntag in der Predigt zu Galater 3 ist es mir mal wieder aufgefallen, wie genau Paulus auf den Wortlaut achtet. Es kann halt einen großen Unterschied machen, ob ein Wort in der Einzahl oder der Mehrzahl steht! Natürlich kann keine Übersetzung uns das 100%ig bieten, und wir wollen auch keine Wortklauber werden – das wäre keine gute Eigenschaft! Aber wir wollen zu geistlicher Selbstständigkeit reifen und Verstand und Herz dazu benutzen, unseren Glauben wirklich in Besitz zu nehmen und wie die Beröer zu prüfen, was uns erzählt wird. Welche Bibelübersetzung dazu für dich am besten geeignet ist, muss du selbst herausfinden.

Ein letzter Gesichtspunkt: Mir persönlich fällt es leichter, Bibelverse auswendig zu lernen, wenn die Sprache sich mindestens auf dem Level “gehobene Umgangssprache” befindet. Allzu flach und lässig haftet nicht so gut in meinem Gehirn. Zum Auswendiglernen ist es außerdem gut, eine Übersetzung als Standardversion zu lesen und nicht ständig zu wechseln. Viele Bibelverse bleiben so durch häufiges Lesen ganz nebenbei hängen, und du erwirbst dir so nach und nach einen Schatz von Aussprüchen Gottes, der dir in Krisen, Durststrecken und Versuchungen zur Verfügung steht.

Stille Zeit-Tipps (6): Gewohnheit

Sollte man etwas aus Gewohnheit tun? Ist das nicht spießig, und nur, was spontan geschieht, ist authentisch und kommt aus dem Herzen?

Die meisten Lebensnotwendigkeiten vollziehen wir als Gewohnheiten. Wir nehmen regelmäßig Essen und Trinken zu uns (wenn nicht, leben wir eher ungesund). Wir sind es gewohnt, nachts zu schlafen. Eltern gewöhnen ihre Kinder an eine vernünftige Hygiene. Da sagt kein Mensch was dagegen. Aber wenn es um unser geistliches Leben geht, haben wir Bedenken, dass wir etwas “nur aus Gewohnheit” tun.

Hinter oben angeführten Gewohnheiten stehen echte Bedürfnisse, und so sollte es auch mit unserer stillen Zeit sein. Für den geistlich Magersüchtigen, der eigentlich gar nicht essen will, werden die festen Mahlzeiten zur Qual. Für alle anderen sind sie einfach eine Hilfe, weil man das Leben nicht jeden Tag neu erfinden muss und Lebenswichtiges nicht im Stress untergeht.

Eine gute Gewohnheit ist es für mich, stille Zeit zu machen, ehe ich in die Arbeit starte – Ausnahmen bestätigen die Regel. Manche machen ihre stille Zeit vor dem Frühstück, damit ihnen wirklich nichts dazwischen kommt – ich bin erst nach 2 Tassen Kaffee richtig aufgewacht. Generell ist es aber eine gute Idee, das Instrument vor dem Konzert zu stimmen, oder?

Ich habe auch gerne meinen festen Platz, meine gewohnte Bibel, meine Stifte……so ähnlich, wie die Verdauungssäfte schon anfangen zu fließen, wenn man sich bei Muttern an den gedeckten Tisch setzt, so geht auch mein Herz in den “Ich komme, um zu hören”-Modus, wenn das “Setting” stimmt. Und die Gewohnheit beschützt diesen Raum und diese Zeit vor allem, was ihn sonst automatisch ausfüllen würde.

Und das heißt natürlich nicht, dass ich das abhake wie eine Pflichtveranstaltung – das wäre dann wirklich ein negatives Konzept von Gewohnheit! Die Gemeinschaft mit dem Herrn fängt auch nicht erst bei der stillen Zeit an, die ist eine 24 Stunden-Sache, weil er in mir lebt. Und wenn für dich eine andere Zeit besser passt, dann nimm eine andere. Es gibt so viele verschiedene Lebensrhythmen, und wenn es dir ernst ist, wird Gott dir schon zeigen, wo du in deinem Leben diese Gewohnheit am besten ansiedelst.

Stille Zeit-Tipps (5): Geschlechtsregister und Listen, Hilfe!

Wenn man die Bibel fortlaufend liest, muss man auch die Geschlechtsregister und ähnliche Listen lesen oder kann man die überspringen? Diese Frage kommt immer wieder auf.

Meine ganz persönliche Antwort: Müssen muss man nicht, aber dürfen darf man, und ich tu´s. Und zwar aus guter Begründung, wie ich denke.

  1. Ich drücke damit meine Ehrfurcht vor dem ganzen Wort Gottes aus. Gott verschwendet meine Zeit nicht, indem er sinnloses Zeug spricht. Kann sein, dass ich ein bisschen Geduld dabei brauche, dass das nicht in meine ergebnisorientierte Instant-Kultur passt – dann muss ich das eben lernen.
  2. Auch in Geschlechtsregistern stehen manchmal interessante Sachen. Mein Vater pflegte zu sagen, man solle Geschlechtsregister laut lesen, damit man sich dran gewöhnt, die fremdartigen Namen auszusprechen, wenn man sie mal vorlesen muss. Nun muss ich die eher selten vorlesen, aber das laute Lesen hat trotzdem was Gutes: Man nimmt die Namen richtig wahr. Und wenn man irgendwann und –wo wieder auf diesen Namen stößt, merkt man es vielleicht sogar. Man kann das aber auch einfacher haben, wenn man eine Bibel mit Parallelstellenangaben liest. Da ergeben sich bisweilen aufschlussreiche Verknüpfungen.
  3. Trotzdem gibt es viele Namen, die erscheinen einmal und nie wieder, oder wiederholende Aufzählungen, die uns einfach über die Hutschnur gehen. Es gibt z.B. in 4.Mose7 eine Aufzählung von allem, was die Stammesfürsten Israels zur Einweihung des Heiligtums gebracht haben. Es gab 12 Fürsten, und an 12 Tagen hintereinander brachte jeder von ihnen jeweils haargenau dasselbe wie sein Kollege am Vortag. Das zieht sich insgesamt über 76 Verse……Aber statt zu seufzen, könnte man ja auch mal fragen: Was sagt das über Gott? Was sagt das über seine Buchführung? Wenn er so genau ist, dass er bei 12 Leuten, die haargenau dasselbe tun, jede Einzelheit aufzählt – was steht wohl über mich in seinen Büchern? Registriert er nur die Sachen bei mir, die vor mir kein anderer getan hat? Tatsächlich führt Gott Buch – das wäre mal ein Studium wert!

Du siehst, man muss nur mit Respekt und positiver Erwartung an die Sache rangehen! Sprich mit Gott auch über die “trockenen” und langatmigen Stellen und mache neue Entdeckungen!